Header Image

Die Heilung von Verletzungen an Sehnen und Bändern erfordert meist etwas Gedult und kann je nach schwere der Verletzung ziemlich lange dauern.

Heilungsprozess von Verletzungen an Muskeln, Sehnen und Bändern

Muskeln, Sehnen und Bänder sowie das allgemein vorkommende Bindegewebe des Körpers stammen ursprünglich aus demselben Urgewebe im Embryo, nämlich dem Mesoderm. Sehnen und Bänder haben eine sehr ähnliche Zusammensetzung, bestehen sie doch aus straffem Bindegewebe.

Kollagenfasern in Bändern und Sehnen

Charakteristisch für Sehnen und Bänder ist das reichliche Vorkommen von sogenannten Kollagenfasern. Diese bilden in Sehnen und Bändern geordnete, zugfeste Strukturen. Zwischen den Kollagenfasern der Sehnen und Bänder befinden sich Zellen, die für den Unterhalt und die Reparatur dieser Strukturen verantwortlich sind.

Transformation des Gewebes infolge Belastung

Es sind letztlich Bindegewebszellen (Fibrozyten), die laufend – je nach Belastung der Sehnen und Bänder – für den Ersatz oder die Neubildung von Kollagenfasern verantwortlich sind. Sehnen und Bänder, aber auch Muskeln und Knochen sind zeitlebens je nach Belastung einer ständigen Transformation ihres Gewebes unterworfen. Auch dort sind Zellen für den Unterhalt und die Reparatur der Gewebe zuständig. Es ist also kein Wunder, wenn bei Verletzungen von Sehnen, Bändern und Muskeln ähnliche Heilungsprozesse durchlaufen werden.

Verletzung und Entzündungsprozess

Durch eine Ruptur von Sehnen oder Bändern wird die Kontinuität der Kollagenfasern abrupt unterbrochen. Dadurch können auch Blutgefäße zerstört werden, worauf sich an der verletzten Stelle ein Bluterguss bildet, der damit die akute entzündliche Phase der Verletzung einleitet.
Im Fall einer Muskelzerrung reißen nicht die Kollagenfasern ein, sondern die Muskelfasern. Auch hier kann es aufgrund der guten Durchblutung des Muskelgewebes zu einem lokalen Bluterguss kommen, worauf analog zu Sehnen und Bändern die entzündliche Phase folgt. Die akute entzündliche Phase dauert nach der Verletzung circa zwei bis drei Tage. Sie ist auch durch die Wanderung von Entzündungszellen aus dem Blut (Makrophagen, Granulozyten usw.) in das verletzte Gewebe charakterisiert.

Entzündung: sofort handeln

Je länger und stärker der Entzündungsprozess ist, desto heftiger und länger werden die folgenden Reparaturprozesse im Gewebe sein.
Die Entzündungszellen aus dem Blut haben nämlich die Aufgabe, zerstörtes Gewebe zu beseitigen. Je zahlreicher diese Entzündungszellen im Gewebe auftreten, desto stärker wird also auch der Abbau an noch gesundem Gewebe sein. Deshalb wendet man gerade zu Beginn einer Sportverletzung am besten das R.I.C.E.-Schema an, damit die Gewebeschädigung in der akuten Phase begrenzt bleibt.

Verletzung und Proliferation von Gewebe

An die entzündliche Phase schließt sich nahtlos die proliferative Phase im Heilungsprozess an. Bindegewebszellen aus dem benachbarten gesunden Gewebe von Sehnen oder Bändern wandern in das lädierte Gewebe ein und beginnen, Kollagenfasern und andere Grundsubstanzen von Sehnen und Bändern neu zu bilden. Die gleichen Bindegewebszellen (Fibrozyten) sind in der Lage, sich zu bewegen. Durch die Aussendung von Zellfortsätzen nehmen diese Zellen im lädierten Bereich Kontakt miteinander auf. Dadurch, dass die Fibrozyten in ihrem inneren Zellkörper kontraktile Elemente haben, können sie sich nicht nur bewegen, sondern auch zusammenziehen. Durch den zellulären Kontakt zwischen den Fibrozyten und die Fähigkeit, sich zusammenzuziehen, werden die Gewebsstümpfe des Bandes oder der Sehne zusammengezogen.

Kontraktion des Gewebes und Narben

Durch Mobilität, Kontraktilität und Syntheseleistung der Bindegewebszellen wird das verletzte Gewebe also repariert. Im Muskel laufen die Reparaturprozesse ähnlich ab. Interessanterweise fügen sich bei einer Muskelzerrung keine Muskelzellen, sondern Bindegewebszellen (Fibrozyten) in das zerstörte Gewebe ein, die anschließend ähnlich wie in Sehnen oder Bändern Bindegewebe als Ersatzgewebe nachliefern. Die Folgen für das Muskelgewebe sind verheerend: Anstelle des ursprünglichen Muskelgewebes mit seiner enormen Kontraktionsfähigkeit entsteht nach der Muskelzerrung eine bindegewebsartige Ersatzstruktur, die weder elastische noch kontraktile Eigenschaften aufweist.
Klinisch fallen solche Reparationsprozesse als tastbare, bindegewebsartige Narben auf. Die Bewegungen eines derartig verletzten Muskelgewebes fallen schwer und können zudem schmerzhaft sein. Infolge der Reparaturprozesse, die in Sehnen, Bändern oder Muskeln stattgefunden haben, sind diese Strukturen meistens verkürzt. Damit sind die Elastizität und die Mobilität von Muskeln, Bändern und Sehnen zeitweilig eingeschränkt. Gegen diese mechanischen Einschränkungen helfen nur gezielte Kräftigungs- und Dehnübungen der betroffenen Gewebe mehr dazu unter rehabilitative Maßnahmen.